Im Gespäch mit der Schweizer MMA-Profikämpferin Danielle Misteli
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Die Schweizer MMA-Kämpferin Danielle Misteli zählt zu den außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der europäischen Kampfsportszene. Die Athletin aus Pfäffikon startete ihre Profi-Karriere erst im Alter von 46 Jahren und sorgt seitdem mit bemerkenswerten Leistungen für Aufsehen. Unter dem Kampfnamen „The Housewife“ verbindet sie ihre Rolle als Mutter und Hausfrau mit dem anspruchsvollen Alltag einer professionellen Mixed-Martial-Arts-Kämpferin. Besonders ihr Sieg bei OKTAGON 66 Anfang 2025 machte international Schlagzeilen und unterstrich ihre Botschaft: Im Sport sind Leidenschaft, Disziplin und Wille oft wichtiger als das Alter.
Was hat dich dazu bewegt, erst mit über 40 Jahren mit MMA anzufangen?
Per Zufall, tatsächlich. Ich habe eine Werbung im Autoradio gehört und bin dann spontan in ein Kickbox-Probetraining gegangen. Danach kam BJJ dazu — und der Rest ist Geschichte.
Hast du jemals Angst gehabt, zu spät mit MMA angefangen zu haben?
Solche Gedanken bringen mir nicht viel, weil ich es sowieso nicht ändern kann. Deshalb geniesse ich einfach alles, was noch kommt.
Wie haben Familie und Freunde reagiert, als du ihnen erzählt hast, dass du kämpfen möchtest?
Als Jahrgang ’76 mache ich eigentlich seit meiner Kindheit, was ich will — und meine Familie kennt mich nicht anders. Gott sei Dank muss ich heute niemanden mehr um Erlaubnis fragen. (lacht)
Welche Vorurteile sind dir am Anfang begegnet?
Mein Alter wurde ehrlich gesagt erst bei OKTAGON wirklich zu einem Thema gemacht. Normalerweise bin ich einfach eine Kämpferin unter vielen. Grundsätzlich spielt mein Alter für mich keine grosse Rolle.
Glaubst du, dass dein später Einstieg dir auch Vorteile gebracht hat?
Schwer zu sagen, aber eher nicht. Wenn man etwas jung beginnt und über viele Jahre durchzieht, sammelt man einfach mehr Erfahrung — und hat meist auch einen Körper, der etwas mehr verzeiht und schneller regeneriert.
Du kämpfst oft gegen deutlich jüngere Gegnerinnen. Spürst du diesen Altersunterschied im Käfig?
Nein, eigentlich nicht — ausser vielleicht, dass ich etwas langsamer bin. Wobei das weniger am Alter liegt, sondern eher an meinem Typ. Ich war noch nie besonders explosiv oder dynamisch.
Wie ist der Spitzname „The Housewife“ entstanden?
Auf meinen Knöcheln steht „Huusfrau“ tätowiert — und das hat meinen ehemaligen Coach dazu inspiriert, mich als „The Housewife“ anzumelden. (lacht)
Was macht dich mental so stark?
Uff… ehrlich gesagt glaube ich gar nicht, dass ich besonders stark bin — aber danke für das schöne Kompliment! Vielleicht ist es einfach, dass ich weitermache. Auch wenn es schwierig wird.
Wie gehst du mit Druck vor einem wichtigen Kampf um?
Ich habe mittlerweile ziemlich viel Wettkampferfahrung und bin dadurch eher ruhig geworden. An vieles gewöhnt man sich mit der Zeit — Nervosität gehört da auch dazu.
Welche Niederlage hat dich am meisten geprägt?
Ich versuche, Niederlagen nicht zu sehr ins Heute mitzunehmen — obwohl natürlich jede Niederlage schmerzt. Aber das gehört eben auch zum Sport dazu.
Gibt es Momente, in denen du selbst an dir gezweifelt hast?
(lacht) Im echten Leben oder im Sport? Dauernd. Ich zweifle eigentlich täglich an mir.
Was geht dir durch den Kopf, wenn ein Kampf nicht nach Plan läuft?
Dann bin ich enttäuscht. Oder traurig. Das gehört leider auch dazu.
Wie schaffst du es, Familie, Alltag und Leistungssport unter einen Hut zu bringen?
Ich stehe um fünf Uhr morgens auf und bin ziemlich gut organisiert. Dann funktioniert das meistens ganz gut.
Dein Kampf bei OKTAGON 88 gegen Ivana Petrović endete mit einer Niederlage. Woran hat es deiner Meinung nach gelegen?
Ganz einfach: Ich habe einen Fehler gemacht, und Ivana hat ihn hervorragend ausgenutzt. Das ist die Qualität, die Kämpferinnen auf diesem Niveau mitbringen. Chapeau an Ivana.
Gibt es etwas an dir, das viele Fans überraschen würde?
Hmm… vielleicht, dass ich noch langweiliger bin, als sie denken? Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob ich überhaupt Fans habe. (lacht)
Welche Werte aus deinem Privatleben helfen dir auch im Sport?
Pünktlichkeit, Anstand, Hingabe — und auch ein gewisser Stolz.
Welche Hürden gibt es für Frauen im Kampfsport noch immer?
Dafür bin ich wahrscheinlich zu wenig in reinen Frauenkreisen unterwegs — ich kann da eigentlich nur für mich selbst sprechen. Und persönlich sehe ich für mich keine grossen Hürden. Ich bin es aber auch gewohnt, mich in männerdominierten Bereichen zu bewegen. Ich war in den 90er-Jahren als Elektrikerin auf dem Bau unterwegs — Frauen waren dort auch eher die Ausnahme.
Welche Tipps würdest du Frauen geben, die mit Kampfsport anfangen möchten?
Ich würde das gar nicht auf Frauen reduzieren wollen. Generell halte ich Kampfsport für sinnvoll und wertvoll — und wenn es nur dafür ist, einmal festzustellen, dass man eigentlich überhaupt nicht kämpfen kann. (lacht)
Wenn die Menschen nach diesem Interview nur eine Sache über Danielle Misteli mitnehmen sollen – welche wäre das?
Gute Frage. Vielleicht, dass mein Rüeblikuchen Weltklasse ist? (lacht)
Was ist dein nächstes Ziel, und wann dürfen wir dich wieder im Käfig erleben?
Mein Vertrag mit OKTAGON ist leider beendet. Jetzt hoffe ich auf die nächste Möglichkeit, wieder zu kämpfen — so schnell wie möglich. Solange ich Freude daran habe und mein Körper mitmacht, bin ich noch nicht fertig.
Fotos ©Oktagon













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