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Im Gespräch mit der Schweizer MMA Kämpferin Stephanie Egger

  • vor 3 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Stephanie Egger gehört zu den wenigen Schweizer Athletinnen, die den Sprung in die UFC geschafft hat. Mit ihrer Ausbildung im Judo und einem vielseitigen Kampfstil etablierte sie sich im internationalen Mixed Martial Arts und stellte sich der Konkurrenz auf höchstem Niveau.


Die UFC gilt als Massstab des professionellen MMA. Dort sammelte Stephanie wertvolle Erfahrung gegen international etablierte Gegnerinnen und bewies, dass Schweizer Athletinnen auch auf der grössten Bühne des Sports konkurrenzfähig sein können. Ihre Karriere steht für Konsequenz, Disziplin und den Mut, sich den besten Kämpferinnen der Welt zu stellen.


Stephanie Egger hat damit nicht nur ihre eigene Laufbahn geprägt, sondern auch zur wachsenden Wahrnehmung des Frauen-MMA in der Schweiz beigetragen.


Einstieg & Persönlichkeit

Wie würdest du dich jemandem beschreiben, der noch nie von Stephanie Egger gehört hat?

Ich bin Mama eines Sohnes, professionelle Kampfsportlerin und großer Schoggi-Fan. Mein Leben spielt sich irgendwo zwischen Gym und Spielplatz ab.


Was fasziniert dich bis heute am MMA?

Mich fasziniert, wie komplex MMA ist. Es gibt unzählige Möglichkeiten, einen Kampf zu gewinnen, und man lernt nie aus. Gleichzeitig braucht es mentale Stärke, denn im Oktagon muss man unter enormem Druck die beste Version von sich selbst abrufen.


Welche Eigenschaften haben dir im Leben am meisten geholfen – innerhalb und außerhalb des Käfigs?

Ich würde sagen vor allem Disziplin und die Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen. Im Kampfsport lernt man, Rückschläge zu akzeptieren, nach Niederlagen wieder aufzustehen und auch unter Druck einen klaren Kopf zu bewahren. Das hilft mir nicht nur im Sport, sondern auch im Alltag und als Mutter.

 

Judo & Übergang zum MMA

Du kommst ursprünglich aus dem Judo, was hat dich dazu bewegt, ins MMA zu wechseln?

Der Wechsel vom Judo ins MMA war eigentlich gar nicht geplant. Im Judo hatte ich mit vielen Verletzungen zu kämpfen und irgendwann auch etwas die Freude daran verloren. Gleichzeitig war die finanzielle Situation als Leistungssportlerin nicht einfach.

Zum MMA bin ich eher zufällig gekommen. Anfangs wollte ich es einfach ausprobieren und hatte nie den Plan, daraus eine Karriere zu machen. Dass ich einmal auf den großen internationalen Bühnen kämpfen würde, hätte ich damals nie gedacht.


War der Wechsel von einer olympischen Sportart in eine Kampfsportart wie MMA mental schwierig?

Der Wechsel war anspruchsvoll. Im Judo geht es vor allem um den sportlichen Wettkampf. Im MMA gehört auch ein gewisser Unterhaltungsfaktor dazu. Man kämpft nicht nur im Oktagon, sondern steht auch medial viel stärker im Fokus.


Welcher Kampf bedeutet dir persönlich am meisten und warum?

Ich habe eigentlich zwei Lieblingskämpfe. Der eine war das U23-EM-Finale im Judo, der andere ein Kampf bei RIZIN in Japan.

Beide Kämpfe hatten etwas gemeinsam: Ich hatte unglaublich viel Spaß und bin in einen sogenannten Flow-Zustand gekommen. Alles fühlte sich leicht an, ich musste nicht nachdenken, sondern habe einfach reagiert. Es lief einfach alles zusammen und ich konnte mein Potenzial voll ausschöpfen. Das war ein ganz besonderes Gefühl und wahrscheinlich das Schönste, was man als Sportlerin erleben kann.


UFC/Oktagon

Was ging dir durch den Kopf, als du dein UFC-Debüt gegeben hast?

Es war ein Short-Notice-Kampf. Ich hatte überhaupt keine Zeit, mir viele Gedanken zu machen – ich musste einfach funktionieren.


Dein Sieg gegen Jessica-Rose Clark brachte dir viel Aufmerksamkeit. Welche Bedeutung hatte dieser Erfolg für deine Karriere?

Es war ein schöner Sieg, weil ich mit meiner Lieblings-Submission gewinnen konnte. Darüber habe ich mich besonders gefreut.

Im Nachhinein denke ich, dass ich diesen Kampf etwas mehr hätte promoten sollen. Damals war ich sehr auf den sportlichen Teil fokussiert und habe der Vermarktung weniger Bedeutung beigemessen.


Ziehst du eine Rückkehr zu UFC in Betracht?

Natürlich würde ich jederzeit noch einmal in die UFC zurückkehren. Aber nach so langer Abwesenheit denke ich, dass das eher unrealistisch ist.

Deshalb konzentriere ich mich auf das, was ich beeinflussen kann: die nächsten Kämpfe, die sich ergeben. Ich versuche, bereit zu sein, gute Leistungen zu zeigen und dann zu schauen, wohin mich der Weg noch führt.


Was war dein erster Gedanke, als du vom UFC-Event vor dem Weißen Haus erfahren hast?

Der UFC-Event im Weißen Haus war schon verrückt, aber natürlich auch sehr interessant. So etwas erlebt man nicht alle Tage, und es war spannend zu sehen, wie Sport, Politik und Medien bei einem solchen Anlass aufeinandertreffen.


Du bist nun bei OKTAGON unter Vertrag. Was sind deine nächsten Ziele bei OKTAGON?

Bei OKTAGON warte ich aktuell auf einen neuen, interessanten Kampf. Bis dahin trainiere ich weiter, arbeite an meinen Fähigkeiten und versuche, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.


Schweiz & Karriere

Wie wird MMA deiner Meinung nach in der Schweiz wahrgenommen?

In der Schweiz wird MMA teilweise noch immer kritisch wahrgenommen. Das finde ich schade, denn MMA und Kampfsport im Allgemeinen haben sehr viel Positives zu bieten.

Ich würde jedem empfehlen, Kampfsport auszuprobieren – nicht unbedingt, um in den Ring oder Käfig zu steigen, sondern wegen des Trainings an sich. Man lernt Disziplin, Respekt, Durchhaltevermögen und den Umgang mit Herausforderungen. Das sind Fähigkeiten, die weit über den Sport hinaus hilfreich sind.


Was müsste passieren, damit MMA in der Schweiz populärer wird?

Ich denke, es braucht spannende Events, die die Menschen begeistern – und davon gibt es bereits einige. Gleichzeitig sind die Medien wichtig, um den Sport sichtbarer zu machen und mit bestehenden Vorurteilen aufzuräumen.

 

Zukunft & Persönliches

Welche sportlichen Ziele hast du für die nächsten Jahre?

Mal sehen, was die Zukunft bringt. Ich bleibe im Training, entwickle mich weiter und werde bereit sein, wenn sich die nächste spannende Möglichkeit ergibt.

Fotos ©UFC / OKTAGON / Stephanie Egger

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